Bulgarien 2017

Auch im Jahr 2017 stand wieder ein Urlaub in Bulgarien auf dem Plan. Unser erster Standwort war Sofia, von wo aus die Kohlenbahn nach Stanintsi in Reichweite liegt – ein schon lange auf dem Wunschzettel stehendes Ziel. Einziges Problem: Man muss zeitig aufstehen, um rechtzeitig für den ersten zur Kohlemine fahrenden Leerzug an Ort und Stelle zu sein. Berücksichtigen solle man auch, dass die „guten“ Motive nicht per Auto sondern nur per pedes  (oder für die ganz Mutigen per Mitfahrt auf dem Güterzug 😉 ) zu erreichen sind.

Am 24.04. passte das Wetter und so düste ich gegen 5 Uhr in Sofia los. Noch in der Dämmerung parkte ich das Auto am ehemaligen Haltepunkt Berende und wanderte sodann in das Tal hinein. Die Sonne kroch über den Horizont, als ich ein erstes mögliches Motiv erreicht hatte. Ab nun hieß es also hangen und hoffen, dass die Sonne bis zur Durchfahrt des Leerzuges hoch genug steht und die Schatten aus dem Gleis verschwunden sind.

Und in der Tat: Als es gegen 07:15 Uhr in der Ferne zu „kuttern“ begann, war der letzte Schatten aus dem Gleis heraus gewandert. Wenige Minuten später blubberten dann zwei Krabbenkutter der Privatbahn TBD vorbei, welche seit Kurzem die Kohleverkehre von der Staatsbahn BDZ übernommen hat.

Im schönsten Morgenlicht blubbern zwei Krabbenkutter mit einem Kohleleerzug das Nishava-Tal hinauf zur Kohlemine Stanintsi an der serbischen Grenze.

Im Anschluss hieß es: Verlagern des Standortes und Warten auf die Rückfahrt des beladenen Zuges. Kurz vor 9 Uhr kam dann auch der beladene Zug talwärts gerollt – zum Glück mit Sandwichbespannung.

Vor beeindruckender Felskulisse rollt der Zug talwärts. Schön sticht an dieser Stelle auch das Ladegut aus den Wagen hervor.

Ein Stück weiter konnte nochmals ausgelöst werden. Die im Hintergrund bereits sichtbaren Wolken sollten mich sodann noch eine Weile beschäftigen…

Damit war das erste von bis zu drei Zugpaaren abgearbeitet und es hieß wieder: Standort verlagern und Warten.

An einer Felskante stehend bließ mir aus dem Tal ein eisiger Wind entgegen. Irgendwann war ich total durchgeforen und auch ob der Wolkensituation frustriert (es war zwischenzeitlich komplett finster geworden…), so dass ich mich zum Abbruch an dieser Stelle entschied und an einer Windschatten gelegenen Fotostelle meine mitgebrachte Brotzeit verspeiste.

Definitiv die bessere Entscheidung, denn der Leerzug des zweiten Zugpaares rollte ohne Sonne an mir vorbei.

Also postierte ich mich für die Rückfahrt des zweiten Vollzuges, wobei ich natürlich die ganze Zeit in der Sonne stand. Erst als sich der Zug näherte zog eine Wolke ins Motiv… Letztlich ging es dann doch glimpflich ab. 🙂

Der zweite Vollzug fährt talwärts. Noch liegt der Vordergrund im Dunklen…

Der Wolkenkrimi geht gut aus: Der Zug mit seinen 20 km/h ist langsam genug, so dass die Wolke großteils aus dem Motiv verschwunden ist. 🙂

Dass der an diesem Tag tatsächlich verkehrende dritte Leerzug natürlich im Dunklen abgeht, muss wohl nicht erwähnt werden, oder? 😉

So schnell wie sie gekommen sind, waren die Wolken auch wieder weg, so dass der dritte und für diesen Tag letzte Leerzug wieder mit Sonne klappt.

Tunnelblick am ehemaligen Haltepunkt Berende Izvor mit dem dritten beladenen Kohlezug des Tages.

Fazit für die Kohlebahn:
Man muss Geduld mitbringen, gut zu Fuß sein und Glück haben, dass die drei Zugpaare auch wirklich fahren. Im vorigen Jahr standen wir uns den ganzen Nachmittag bei strahlendem Sonnenschein die Beine in den Bauch und es drehte sich nach dem ersten Zugpaar bis zum Abend kein Rad mehr.
Auf jeden Fall rangiert die Strecke schon jetzt recht weit oben in meinen Favoriten.

Vom äußersten Westen zog es mich nun in den äußersten Osten des Landes: Wir verlagerten unser Feriendomizil nach Varna am Schwarzen Meer. Von dort ist es nicht weit an die Strecke Richtung Kardam, wo man noch 07er im Personen- und Güterzugdienst antreffen kann.

Trotz einiger Besuche an der Strecke hatte die Sonne bislang beim Morgenmotiv im Bahnhof Valchi Dol nie mitgespielt. Also brach ich am 26.04.2017 frühmorgens in Varna auf und stellte mich vor Ort auf – diesmal bei wolkenlosem Himmel.

07 126 hält mit BV2637 vor dem Bahnhofsgebäude an. Hinter der Lok läuft der am Vorabend in Sofia gestartete Schlafwagen. Um den Schlafwagen bis Dobrich führen und damit die Region im Nachtsprung an die Hauptstadt anbinden zu können, fahren bestimmte Züge auf dieser Strecke immer noch lokbespannt.

Die Dampflok fährt ab! 🙂

Die Nachfrage beim sehr freundlichen Fahrdienstleiter ergab, dass die später nach Varna zurückkehrende lokbespannte Nahverkehrsleistung in Valchi Dol mit dem mehrmals in der Woche verkehrenden Güterzug kreuzen sollte.

Damit war das Programm klar: Personenzug am Hp General Kiselovo mitnehmen und für den Güterzug Abflug ans Viadukt in Novo Botevo. Gesagt, getan.

Die Rückführung des Schlafwagens erfolgte im KPV28203, welcher soeben in den Hp General Kiselovo einfährt, wo sogar ein Fahrgast auf Mitfahrt wartet.

Was diesmal endlich mitgespielt hatte, war das Wetter. Nicht mitspielen wollte, war mein Magen. Bereits vor der Rückfahrt des Personenzuges meinte der Inhalt wieder ans Tageslicht wollen zu müssen. :-/

Trotzdem habe ich mich noch in Novo Botevo für den Güterzug postiert – in der Hoffnung, dass die Magensache nun damit beendet wäre…

Leider war dem nicht so, weshalb die Freude an dem akustischen Schauspiel, welches die beiden 07er (1x Zuglok, 1x Schublok) beim Einfahren in die Steigung nach dem ehemaligen Bahnhof Novo Botevo boten, eher gering ausfiel.

Mächtig arbeiten müssen die beiden 07er (die Schublok versteckt sich im Gebüsch) mit ihrem Güterzug beim Einfahren in die nach dem Bahnhof Novo Botevo kräftig ansteigende Strecke – der „Neigungsknick“ kurz hinter der Brücke ist deutlich sichtbar!

Nachdem der Mageninhalt immer wieder ins Freie wollte, beendete ich damit den Fototag und war heilfroh, als ich wieder daheim war. Dort wartete ein Bett und heiße Suppe.

Am übernächsten Tag ging es wieder besser und wir brachen zur nächsten Etappe auf, dem Besuch in Panagyurishte.

Von dort brach ich am 02.05. zu einer Tour an die Rhodopenbahn auf. Es sollte der Nachmittags ins Gebirge fahrende Zug verfolgt werden. Geplant hatte ich ein Motiv an der Ausfahrt von Varvara, wo die Strecke in die Cepino-Schlucht einbiegt. Als nicht einfach erwies sich der Aufstieg zum Fotostandpunkt durch dichten Urwald. Letztlich kam ich trotz reichlich eingeplantem Puffer gerade noch rechtzeitig vor Zugdurchfahrt oben an, um im Anschluss gleich wieder hinab zu steigen.

77 002 hat Varvara verlassen, überquert in Kürze den Cepino und wird auf den nächsten Kilometern der Bergfahrt dessen Schlucht folgen.

Noch schwieriger als der Aufstieg erwies sich der Abstieg: Bin ich beim Aufstieg hier von links oder von rechts aus dem Urwald gekommen? Offenbar muss ich mich dann doch irgendwo falsch „erinnert“ haben und endete auf einer Stützmauer der Bahn. Hinunter wär’s schon gegangen – jedoch nicht ohne Beinbruchgarantie… Insofern musste ich wieder ein Stück zurück nach oben kraxeln und die richtige Abbiegung nehmen. Gut 20 Minuten nach Zugdurchfahrt war ich – trotz Abstieg gut durchgeschwitzt – wieder am Auto und nach die Verfolgung auf.

Bis Velingrad hatte ich den Zug trotzdem wieder überholt und konnte mich an einem Bahnübergang für die Durchfahrt postieren.

Bis Avramovo bin ich dem Zug im Anschluss voraus gefahren, wo ich einen treuen Begleiter an die Seite gestellt bekam: Einer der Bahnhofshunde wollte mir partout nicht mehr von der Seite weichen…

Einfahrt „meines“ Zuges in den Bahnhof Avramovo.

In Avramovo stand die Kreuzung mit dem Gegenzug auf dem Programm. Lichttechnisch passte es, so dass ich auch dessen Einfahrt noch auf den Chip der Kamera brannte.

75 004 fährt aus Richtung Dobrinishte in den Bahnhof Avramovo ein. Der Bahnbedienstete auf Höhe des vorletzten Wagens legt gerade das Einfahrtsignal auf „Halt“ zurück.

Ich nahm die Verfolgung wieder auf und stellte mich vor Cherna Mesta am Straßenrand bereit.

„Mein“ Zug überquert vor Cherna Mesta auf einer wunderschönen, gemauerten Bogenbrücke Straße und Fluss.

In Yakuroda kletterte ich hinter dem Bahnhof über Hirtenpfade in die Höhe. Die Bewölkung hatte bereits wieder dramatisch zugenommen, dennoch verzog sich hier die Wolke rechtzeitig zur Einfahrt des Zuges.

„Meine“ 77 002 passiert die Reste der Drehscheibe des Betriebswerkes von Yakuroda. Bei den Bediensteten ist auch hier wieder Handarbeit angesagt: Der Weichenwärte auf Höhe des ersten Wagens öffnet die Schranken des soeben vom Zug überquerten Bahnübergangs.

Weiter ging es zum Motiv am Haltepunkt Yurukovo.

Absolutes Traummotiv: Ausfahrt aus dem Haltepunkt Yurukovo mit Fotowolken an passender Stelle, schneebedeckten Bergen und Wagen in der gefälligen neuen rot-beigen Lackierung. Was will man mehr? 🙂

Die weitere Verfolgung machte nun jedoch keinen Sinn mehr: Dicke Wolken hingen schon wieder am Himmel. So machte ich mich auf den Heimweg. In Avramovo sah die Wolkensituation dann nicht mehr ganz so dramatisch aus, so dass ich mich dort nochmals für die abendliche Zugkreuzung auf die Lauer legte.

Eine unbekannt gebliebene 75 fährt in den Bahnhof Avromovo ein und wird gleich am Bahnsteig zum Stehen kommen.

Schwenk nach links: Der Fahrgastwechsel ist beendet und die 75 rollt nach Verlassen des Bahnhofs talwärts in den Sonnenuntergang.

Die beiden folgenden Tage widmete ich den Desiros auf der Strecke nach Panagyurishte. Vor dem Mittag- bzw. dem Abendessen gab’s jeweils einen Kurzausflug an die Strecke. 😉

Windschief steht dieser Telegrafenmasts am Haltepunkt Tsar Asen, an dem in Kürze der BDZ-Desiro einen Halt einlegen wird. Erfreulich: Man hat seit meinem letzten Besuch im Jahr 2015 ein Wartehäuschen errichtet. Und das an einem Haltepunkt, welcher im offiziellen Kursbuch der BDZ gar nicht auftaucht, die Züge aber trotzdem halten.

Durch einen beherzten Sprung ins Auto war eine Verfolgung sowie ein zweites Bild möglich. In Kürze fährt der Zug in den Haltepunkt Ovchepoltsi ein.

Später am Abend bei Streltscha: Der Desiro fährt zurück nach Panagyurishte.

Am 03.05. hatte ich dann noch den Blick auf den Ort sowie den Schrankenposten bei Streltcha ausgekundschaftet. Vor dem Mittagessen am 04.05 parkte ich unten an der Straße und wanderte durch Rosenstöcke in den Hang. Menschenleeres Gebiet hatte ich erwartet. Nach kurzer Zeit tauchte dann ein Hirte mit einer Kuh- und ZIegenherde auf, womit ich ja noch einigermaßen gerechnet hatte. Nicht schlecht staunte ich jedoch, als der Hirte wenig später Besuch von einem Auto bekam. Bis heute ist mir ein Rätsel, wie man mit dem Auto dort hinauf fahren kann…

Einer von zwei Schrankenposten an der Strecke nach Panagyurishte liegt am Ortsausgang von Streltscha. Den zweiten wird der Desiro in wenigen Minuten passieren.

Damit war dann unsere Zeit in Bulgarien für 2017 leider auch schon wieder zu Ende. Bleibt noch zu sagen: Schön war’s auch diesmal – wir kommen ganz sicher in 2018 wieder.

 

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